Die Hakluyt & Company und der CDU Abgeordnete Michael Fuchs

Hakluyt & Company ist ein umstrittener privater Nachrichtendienst, der vor allem für Großunternehmen und deren Manager Informationen beschafft. Gegründet wurde die Firma von ehemaligen Mitgliedern des Britischen Auslandsgeheimdienstes (bekannt als MI6).
 
Laut einem der Gründer war die Idee dabei „für die Industrie das zu tun, was wir für die Regierung gemacht hatten“.[1] Im Jahr 2000 flog auf, dass Hakluyt für die Ölfirmen Shell und BP in den Neunzigern durch einen deutschen Spitzel Greenpeace und andere Umweltorganisationen ausspioniert hatte. Der Spitzel hatte sich dabei als linker Sympathisant und Dokumentarfilmer ausgegeben.
Aktuell stehen die bezahlten Tätigkeiten des CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Fuchs für die Spionagefirma in der Kritik.[2
 

Kurzdarstellung und Geschichte

Das Unternehmen wurde 1995 von ehemaligen Mitgliedern des Britischen Geheimdienstes, u.a. Christopher James und Mike Reynolds, gegründet.[3] Reynolds gründete den Terrorismusabwehr-Zweig des MI6 und war Leiter der deutschen MI6-Station. James leitete die MI6-Sektion, die für die Kontakte zu britischen Firmen zuständig war.[4]

Struktur, Geschäftsfelder und Finanzen

Das Hauptgeschäftsfeld von Hakluyt & Company ist die Informationsbeschaffung. Laut eigenen Angaben gehörten bereits 2001 ein Viertel der Unternehmen des britischen Aktienindexes FTSE 100 dem Kundenkreis von Hakluyt & Company an.[4] Dazu kommen weitere internationale Unternehmen.

Struktur und Strategien

Die Firma ist sehr verschwiegen. Über die genaue Arbeitsweise ist nur aus wenigen Medienberichten und einzelnen Skandalen etwas bekannt. Nach eigenen Angaben geht Hakluyt davon aus, dass die Kunden selbst schon die frei verfügbaren Informationen aus Publikationen oder Internet ausgewertet habe. Hakluyts bringe die Informationen und Einschätzungen von Leuten ein, „die die Länder kennen, die Eliten, die Unternehmen, die Medien vor Ort, die lokalen Umweltorganisationen, all die Faktoren, die in anstehende große Entscheidungen einfließen“.[5]

Nach einem Bericht der Financial Times von 2000 habe die Firma damals 100 „Associates“ in London und global gehabt. Dabei könne es sich um Journalisten handeln, Diplomatengattinnen, hochrangige Unternehmensvertreter, ehemalige Diplomaten oder Berater. Für einzelne Aufträge würden bis zu fünf dieser Associates nach London gerufen, gebrieft und dann mit unterschiedlichen Fragen zur Informationsbeschaffung losgeschickt.[6]

Über die Art und Weise, wie die Verbindungen zu Associates zustande kommen, ist wenig bekannt. Die freie Journalistin Melissa Sweet aus Australien berichtete 2008, sie habe eine Kontaktanfrage via E-Mail von einem Mitarbeiter von Hakluyt erhalten. [7] In der Anfrage ging es dabei um die Vermittlung von Informationen und Einschätzung „über ein neues Projekt in der Gesundheitspolitik der neuen australischen Regierung“ und „die Rolle der privater Unternehmen“.[7] Die Journlistin sollte dafür ihre Quellen anzapfen (human source information). Nach eigenen Angaben berichtet Sweet vornehmlich über Gesundheitspolitische Themen.[8]

Fallbeispiele und Kritik

Spionage bei Greenpeace

2001 berichtete die Sunday Times, dass sowohl Shell als auch BP Hakluyt mit der Informationsbeschaffung bei Greenpeace beauftragte. Für Hakluyt war dabei Manfred Schlickenrieder verdeckt tätig, der sich als linker Sympathisant und Dokumentarfilmer ausgab. Schlickenrieder hatte selbst wiederum Verbindungen zu deutschen Geheimdiensten. Für Shell spionierte er verschiedene Organisationen aus, die gegen Shells Praktiken im in Nigeria protestierte. Für bp ging es vor allem darum, Informationen über eine geplante Greenpeace-Kampagne gegen neu Ölbohrungen im Atlankik zu bekommen und so die Kampagne besser abwehren zu können.[9]

Neil Heywoods Verbindungen zu Hakluyt

Nach der Ermordung des Geschäftmanns, Neil Heywood, in China[10] stellte sich heraus, dass der Brite Verbindungen zum MI6 hielt und darüber hinaus bei Hakluyt & Company beschäftigt wurde. Ein Sprecher von Hakluyt berichtete, Heywood habe gelegentlich für Hakluyt gearbeitet. [11][12] Anfang 2012 wurde bekannt, das Heywood von Gu Kailai ermordet wurde. Die Ehefrau des ehemaligen einflussreichen Politikers Bo Xilai, stand in einem geschäftlichen Verhältnis zu Heywood. Über die Tatursache existieren verschiedene Spekulationen. Die Zeit berichtete, Gu und Heywood hätten versucht, Gelder ins Ausland zu schaffen. Als der Plan drohte aufzufliegen, habe die Ehefrau des Spitzenpolitikers Heywood vergiftet. [13]

Arbeit für EADS zu Übernahmen in Russland/Asien

Nach einer Durchsuchung der Firmengebäude von EADS im Mai 2006 wurden Verbindungen zwischen dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern und Hakluyt & Company bekannt. Bei der Durchsuchung fanden die Beamten Rechnungen über 1.8 Mio. Euro, adressiert an den Strategy Director, Jean-Louis Gregorin, von EADS.[14] Laut Intelligence Online recherchierte Hakluyt & Company 2004 unter der Leitung von Keith Craig über das russische Luft- und Raumfahrt Unternehmen Irkut.[14] Ende 2005 stieg EADS mit einer Firmenbeteiligung von 10% bei Irkut ein.[15] Anschließend beauftragte Gergorin Hakluyt, für EADS in Südkorea Nachforschungen über die Korean Aerospace Industries (KAI) und deren Führung anzufertigen. Zu der Zeit handelte EADS einen Deal mit KAI aus, über die Herstellung von 245 militärische Transporthelikoptern.[14][16]2007 berichtete Intelligence Online, Hakluyt arbeite auch weiterhin für EADS. Richard Fletcher, Managing Direktor von EADS UK habe zu dem Zeitpunkt als Kontaktperson fungiert.[17]

Weiterführende Informationen: www.lobbycontrol.de